Unsere Entwicklung bisher…

Überlegungen zur Gründung

Gegründet wurde der Welser Weinbauverein 2008 von Weinliebhabern, die an den Weinverkostungen teilnahmen, wo Winzer in unregelmäßigen Intervallen im Gasthaus Obermair in Wimpassing bei Wels ihre Weine präsentierten.

Durch Besuche bei Weinbauern und Gespräche mit Winzern reifte die Idee, in der Umgebung von Wels ein Grundstück zu suchen, das geeignet ist für das Aussetzen von Rebstöcken.

Wir recherchierten im Vorfeld u.a. im OÖ Landesarchiv und Landesmuseum in Linz. Dort erhielten wir alte Flurkarten aus dem 17. u. 18. Jhdt. wo Weinanbauflächen und Flurnamen, die auf Weinbau schließen lassen, genau verzeichnet sind. Darüber hinaus sammelten wir Klimatabellen und bemerkten, dass wir im OÖ. Zentralraum in etwa die gleiche „Wärmesumme“ im Jahr erzielen, wie z.B. Wien in den 70er Jahren. D.h. dass Weinbau vom Klima her möglich ist. Die Niederschlagsmenge ist in Wels im OÖ Schnitt sehr niedrig aufgrund der Thermik der Welser Heide. Wir ließen auch den Boden analysieren um die geeigneten Unterlagsreben auswählen zu können.

Anlegen des Weingartens

Anlegen des WingartensDann am 1. Mai 2009 war es soweit. Die bestellten Weinreben-Setzlinge waren geliefert worden und auch die anderen Utensilien wie Akazienpfähle, Spanndrähte, Bodenanker, Zaunpfähle und Drahtgitter warteten darauf um montiert zu werden. Es wurden in sechs Reihen insgesamt ca. 350 Rebstöcke ausgesetzt und weil wir bei einem Versuchsprogramm der „Bio-Austria“ teilnahmen und auf keinerlei empirische Werte zurückgreifen konnten, wurden 35 versch. Rebsorten ausgesetzt. Was auch wichtig und erwähnenswert ist, wir holten auch aus Deutschland und der Schweiz Neuzüchtungen, sogenannte PIWI Sorten – heißt Pilzwiderstandsfähige Rebsorten, die es noch fast nirgends gab.

Die Reihen 1 und 2 sind mit diesen PIWI-Sorten bepflanzt, die solche Namen wie: Rösler, Rathay, Solaris, Monarch, Phönix, Cabernet Cortis, Nero, blauer Muskat,...etc. tragen.

Wir erlebten aber gleich zu Beginn der Arbeiten eine böse Überraschung, die uns viel zusätzliche Zeit kostete: der Boden erwies sich als sehr hart und aufgrund der faustgroßen Steine der „Welser Heide“ war es fast unmöglich die Pfähle zu setzen. Nur mit großer Anstrengung und Zuhilfenahme von Bohrgeräten gelang es uns die Löcher zu bohren um das Spalier zu errichten und den Zaun zu montieren. Auch die Rebstöcke konnten nur sehr seicht gesetzt werden, weil die Humusschicht, besonders im südl. Bereich sehr dünn ist und darunter sofort faustgroße Steine zum Vorschein kommen.

Somit war der Name der Riede gleich gefunden: „Riede Steinreich“ heißt unser Weingarten!

Aber mit sehr großer Kraftanstrengung der enthusiastischen Gründungsmitglieder und viel Zeitaufwand gelang es den Weingarten zu pflanzen, den Zaun zu montieren und da in diesem Jahr ein Nachbar einen Maibaum gesetzt bekam, erhielten wir aus dem Holz des Maibaums auch noch ein großes Eingangsportal mit Tür.

Lernen, lernen, lernen

Nun war das wichtigste in weiterer Folge möglichst viel zu lernen. Winzer, die zum Weinanliefern kamen in den Weingarten zu führen um dabei wertvolle Tipps und Ratschläge zu bekommen. So erhielten wir viele wichtige Informationen und nützliche Tipps für die Pflege der Reben.

Bio-logisch!

Da wir von Anfang an beschlossen, den Weingarten ausschließlich biologisch zu bewirtschaften und auf alle systemischen Spritzmittel wie Insektizide, Pestizide, Kunstdünger, etc. zu verzichten, hatten wir noch viel mehr aufzupassen und schnell dazuzulernen, da die Herausforderungen und der Aufwand für Bioweinbau noch viel größer und umfangreicher sind als konventionelle Landwirtschaft. Wir besorgten uns die notwendigen Bio-Spritzmittel im Weinbaucenter Langenlois, wo alle Mittel vorrätig sind und auch professionelle Beratung in Anspruch genommen werden kann.

Die erste Lese

Beim RebelnSo lernten wir schnell dazu und die erste Ernte stand ins Haus. Aber was ist genau der „richtige“ Erntezeitpunkt? Welche Parameter müssen da beachtet werden, damit wir keine schweren Fehler machen und die Arbeit eines ganzen Jahres zunichte gemacht wird.... durch Praktika bei Winzer während der Lese konnte auch diese Hürde genommen werden und nach zwei Jahren hatten wir die ersten vollreifen und gesunden Trauben geerntet. Die Freude über den ersten selbstgemachten Traubenmost, der schon als Sturm sehr gut schmeckte war riesengroß und wir waren auf das Ergebnis sehr stolz.

Beim Erntezeitpunkt muss auch berücksichtigt werden, dass dieser Höhepunkt im Winzerjahr tunlichst am Wochenende stattfinden sollte, wo ja mehr Leute dann Zeit haben um bei diesem Ereignis, auf welches das ganze Jahr hingearbeitet worden ist, dabei sein zu können.

Der erste Wein

Die Weinpresse machte zu Beginn auch manchmal größere Probleme, sodass wir auf die Mostpresse zurückgreifen mussten. Das Abrebeln der Beeren von den Kämmen, ein ganz wichtiger Bestandteil der Ernte, wird ausschließlich von Hand erledigt. Somit werden die einzelnen Beeren noch einmal einer Kontrolle und Selektion unterzogen. Besonders der Rotwein, ein gemischter Satz aus Cabernet-Sauvignon und Merlot gelang 2011 prächtig. Wir wurden bestätigt, am richtigen Weg zu sein und dann kam der erste Winterschnitt der Reben. Wir luden dazu jedes Jahr einen Winzer ein, der uns den ganzen Nachmittag an einem kalten, trockenen Februartag mit Rat und Tat zur Seite stand. Somit war der wichtige Grundstein für den Austrieb im folgenden Frühling gemacht.

Jetzt nach sieben Jahren erledigen einige unserer Mitglieder die ganze Weingartenarbeit schon wie Profis.

Besonderheiten der Weinjahre

Es folgten, wie in allen anderen Weinbaugebieten Österreichs sehr unterschiedliche Weinjahre aufeinander mit daraus resultierenden unterschiedlichen Anforderungen an uns und die Behandlungsmethoden.

Zum Beispiel war 2010 ein sehr kühler, aber trockener Herbst ohne Sonne. D.h. mit dem Zuckeraufbau in den Weinbeeren ging nichts weiter, aber wie sich im nachhinein herausstellte, gilt der 2010er heute noch als Geheimtipp unter Weinspezialisten für besonders gebietstypische „Terroirweine“ mit höherer Säure, moderatem Alkohol und großem Reifepotential – also richtige „Langstreckenläufer“.

2011 und 2012 hingegen war das Gegenteil im Witterungsverlauf: ein warmer und trockener Bilderbuch-Herbst bescherte besonders den Rotweinwinzern zwei große Jahrgänge. Auch wir ernteten Trauben mit viel höheren Zuckerwerten, und konnten uns durchaus mit den KMW Werten aus NÖ messen. Die Rotweine waren mild, weich, von dichter Struktur, kräftiger Farbe und leicht anzutrinken. Nur die Mengen waren wie in allen Jahren sehr gering. Gründe dafür sind der Verzicht auf mineralische Düngemittel, keine offenen Fahrgassen und keine chemische oder mechanische Bodenbearbeitung, was für mehr Konkurrenz der Pflanzen untereinander sorgt und das Wachstum der Rebstöcke verlangsamt und auch den Ertrag natürlich reduziert. Was ja wiederum weniger, aber dafür reifere Trauben ergibt. Auf trockenen Standorten, wie unser Weingarten einer ist, ist es aber in trockenen und heißen Sommern notwendig die Weinstöcke zu bewässern. Besonders junge Weinstöcke brauchen in den ersten Jahren, wo das Wurzelgerüst noch schwach ausgeprägt ist, zusätzlich Wasser. Wir wasserten so im extremen Hitzesommer 2015 die Weinstöcke mehrmals mit dem Schlauch und einer Tauchpumpe, mit dem Wasser des angrenzenden Fischteichs. Sonst hätten die jungen Weinstöcke, die nachgesetzt werden mussten, da es jährlich leider immer zu Ausfällen durch Wühlmäuse und andere Schädlinge kommt, den heißen Sommer nicht überlebt. Auch den extremen Nässesommer 2014 haben wir gut bewältigt, indem wir die Pflanzenschutzintervalle verkürzten. Denn als Biowinzer muss eigentlich nach jedem stärkeren Regen, der Pflanzenschutzbelag auf die Blätter neu aufgetragen werden. Sonst erntet man in solchen schwülwarmen Jahren keine Trauben, weil sich die Pilzerkrankungen rapide ausbreiten und die Trauben zerstören.

Wein und „Grappa“ für unsere Mitglieder

Alle Vereinsmitglieder vom Weinbauverein erhalten in jedem Jahr einige Flaschen Wein, je nach Ernteertrag und dazu eine Flasche selbstgemachten Trebernschnaps (Grappa) den wir aus unseren Pressrückständen vergären und von einem professionellen Brenner destillieren lassen. Letztes Jahr gewannen wir da auch noch ca. 10 Liter von diesem feinen hochwertigen Weintraubenbrand. Einen Teil füllten wir in ein Eichenfass und haben jetzt sogar einen Weintraubenbrand aus dem Eichenfass (Barrique).

Wir entwickeln uns ständig weiter

So probieren und experimentieren wir jedes Jahr wieder, sind aufgeschlossen für Neues, wagen uns in neue Gebiete und lernen dabei ständig dazu. Wir legen auch Wert auf das gesellige Zusammensein und das Verkosten von Weinen von Winzern die monatlich vom Verein eingeladen werden.

Wichtig ist auch, dass jeder seinen bestimmten Part im Verein hat, das machen kann, was er/sie gut kann, und auch jeder auf die Hilfe der anderen Kollegen vertrauen kann, wenn er/sie mal keine Zeit hat und die Arbeit jedes einzelnen geschätzt wird. Darum funktioniert unser Verein bis heute sehr gut und wir haben dadurch schon viele schöne und lustige gemeinsame Stunden rund um den Wein gemeinsam verbracht.

Bernhard Obermair
Kellermeister

Kontakt

Welser Weinbauverein
Wimpassinger Straße 100
4600 Wels
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